Mit freundlicher Genehmigung des TC Alte Kameraden Birgel 1928 e.V. präsentieren
wir auf den nächsten Seiten einen Auszug aus der diesjährigen Festschrift. 
Einige aktuelle Bilder sind auf den Seiten4, 6 und 8 hinterlegt worden.

Zur Geschichte des Tambourcorps
Alte Kameraden Birgel

Das Tambourcorps Alte Kameraden Birgel 1928 e.V. besteht in der Form eines eingetragenen Vereines seit 1982. Die Vereinsgeschichte geht jedoch zurück auf das Jahr 1912. Damals bemühte sich August Vieth, der beim kaiserlichen Heer als aktiver Spielmann gedient hatte, um den Aufbau eines Spielmannszuges. Durch den 1. Weltkrieg wurden diese Bemühungen unterbrochen. Erst 1926 konnte er sich weiter um sein Anliegen kümmern und so gründete man, unter dem Dach der Freiwilligen Feuerwehr, eine Schalmeienkapelle.

1928 gelang es, sich nach einigen Schwierigkeiten aus der Freiwilligen Feuerwehr zu lösen und einen eigenen Verein zu gründen. Zweck der Vereinigung" war, "junge Leute im Trommeln, Pfeifen und Fanfaren blasen auszubilden".
Erster Vorstand des neu gegründeten Tambourcorps wurde August Vieth als Vorsitzender, Josef Horst als Kassierer und Reinhold Breuer als Schriftführer.
Die Instrumente musste jedes Mitglied damals, ggf. auf Abzahlung, selber kaufen. Es wurde eine Mark als Aufnahmegebühr erhoben, jedoch kein weiterer Beitrag. Zweimal in der Woche wurde geprobt. Einmal stehend beim Haus der Familie Horst unter der strengen Leitung von August Vieth, so wie er es beim kaiserlichen Heer gewohnt war. Sonntags wurde sich am Saal der Gaststätte Gottschalk (Ecke Bergstraße/Bachstraße) aufgestellt und von da aus zum damaligen Handballplatz (jetzt Aussiedlerhof Eckeberg) marschiert.

Das Repertoire bestand damals aus zwölf Märschen, dabei u.a. Preußens Gloria, Liebe-Marsch, Waidmannsheil, Türkischer Glockenmarsch. Gespielt wurde nicht nach Noten, sondern nach Zahlen (wie noch bis zum Anfang der 70-er Jahre).

Die Aktivitäten des Vereins im Rahmen der Ausbildung der Jugendlichen und Kinder wurde auch von der Schule unterstützt. Unter Lehrer Koch war ein Ausflug nach Schevenhütte üblich, wo eine Kahnfahrt auf dem Programm stand. Die Kinder, die im Tambourcorps Musik machten, hatten ihre Instrumente mitzunehmen. In Schevenhütte wurde der Wirtin, Frau Roeb, ein Ständchen dargebracht. Zur Belohnung bekamen die Kinder ein Gläschen Limonade.

Im Jahr 1930 konnte erstmals mit einer großen Anzahl Jugendlicher ein Auftritt absolviert werden. Die Uniform bestand aus einer weißen Hose, einem weißen Hemd und einer rot-weiß gestreiften Schärpe, die von der Schwester des Josef Horst genäht worden war. Unser Ehrenmitglied Johann Joisten, der damals bereits mitmarschierte, erinnert sich:

August Vieth ging als Tambourmajor voraus. Die Brüder Horst und noch ein paar kleine Jungen (gemeint war auch er), marschierten vorneweg. Damals wurde auch der Vorbeimarsch mit Einschwenken usw. gemacht. Der Baß wurde hierbei hochgehängt, damit auch dieser Musiker im Stechschritt marschieren konnte. Die Leute waren begeistert und haben Beifall geklatscht . Als wir auf dem Schützenplatz waren, kam direkt der Schützenkönig und hat jedem ein Tütchen Mandeln gegeben - "nee, wat wore mir do stolz!"

Hierbei muss jedoch angemerkt werden, dass es zur damaligen Zeit sowohl die St. Johannes Schützenbruderschaft, als auch die Bogenschützen in Birgel gab. Die beiden rivalisierenden Schützenvereine veranstalteten zur gleichen Zeit ihr Schützenfest. Das Tambourcorps spielte für die Bogenschützen auf, deren Schützenfest auf dem Platz vor der Gaststätte Joisten (heute Quast) stattfand. Das Schützenfest der St. Johannes Schützenbruderschaft fand im Saale Gottschalk statt.So kam es vor, dass sich die Festzüge sogar im Dorf begegneten.

Unter dem kommissarischen Amtsbürgermeister und NSDAP-Ortsgruppenleiter Georg Logauer wurde 1933 das zeitgleiche Schützenfest der Bogenschützen verboten.