Geschichte des Tambourcorps - Seite 2

Das Tambourcorps spielte jedoch nicht nur bei Veranstaltungen innerhalb des Dorfes. Die damaligen Ausmärsche führten auch nach Lendersdorf, Kufferath, Gey, Gürzenich und Derichsweiler, wo man an einem Wettstreit teilnahm.

Schon in den dreißiger Jahren traten jedoch Auflösungserscheinungen zu Tage. Die Brüder Horst machten sich selbständig und gründeten eine eigene Musikkapelle. Weitere Mitglieder des Tambourcorps schlossen sich der Feuerwehr an. Als eigenständiger Verein löste man sich 1935 auf und gründete ein Feuerwehrtambourcorps. Zeitweise waren jetzt zwei Musikvereine im Dorf. Die Spaltung ging sogar durch Familien. Von den Brüdern Wilhelm und Heinrich König schloss sich Heinrich König der Horst-Kapelle an, Wilhelm König ging zur Feuerwehrkapelle, die nun an die Stelle des Tambourcorps trat.

Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges wurden viele der Aktiven zur Wehrmacht eingezogen. Der Spielbetrieb und auch jedes eigenständige Vereinsleben war damit zunächst beendet. Viele der damaligen Aktiven haben den Krieg nicht überlebt. Hiervon zeugt die Ehrentafel, die in der Kirche unter dem Glockenturm zu sehen ist.

Erst 1948 wurde wieder durch intensives Proben das Vereinsleben - jetzt als Feuerwehrtambourcorps - aktiviert. Christian Horst und Johann Bergs, die beide dem Verein bereits seit seiner Gründung als aktive Mitglieder angehörten, bildeten interessierte Jugendliche im Trommel- und Flötenspiel aus. Tambourmajor wurde Johann Kurth. 1949 konnte zum ersten Mal anlässlich der Kirmes, die vom Sportverein auf dem Berg im Saale Schumacher veranstaltet wurde, mit einem Repertoire von drei (!) Märschen aufgespielt werden.

Im Jahr 1951 entschloss man sich endgültig dazu, einen eigenständigen Verein zu bilden. Man sagte sich von der Freiwilligen Feuerwehr los und nannte sich fortan "Tambourcorps Alte Kameraden Birgel". Erster Vorsitzender wurde Johann Bergs, der dieses Amt bis zu seinem Tod 1993 ausübte. Schriftführer war Erich Brandenburg, Kassierer Andreas Bergs (der 1954 nach Kanada auswanderte), Korpsführer war Josef Heidenthal. Bereits vor der Neugründung war ein Machtkampf hinsichtlich der Besetzung des Postens des Tambourmajors entbrannt.

Winfried Labroier erinnert sich:
Wir mussten antreten an unserem Probenlokal im Feuerwehrhaus in der heutigen Krahkopfstraße.
Der alte Tambourmajor Johann Kurth führte uns bis zur Höhe der heutigen Gärtnerei Rausch und zurück bis zur Ecke Bachstraße. Danach wurde der Tambourstab, der "Küs", Josef Heidenthal übergeben. Dieser führte uns dann und wir sollten entscheiden, wer uns in Zukunft anführen sollte. Der Jupp Heidenthal ging also mit uns herrauf und wieder herrunter und auf der Ecke (heute Krahkopfstraße/Fliederbusch) warf er den Küs in die Luft (was auch später sein Markenzeichen werden sollte). Daraufhin ist er gewählt worden. Es entbrannte ein Machtkampf im alten Feuerwehrhaus, damals noch Probenlokal. Ich dachte, jeden Moment beginnt hier eine Schlägerei -"Scheng" ist da regelrecht entmachtet worden. Geplant war die Übergabe vorher nicht.

In den 50er Jahren bildete die Teilnahme an Wettstreiten den Schwerpunkt des musikalischen Schaffens. In dieser Zeit wurden viele Pokale, Urkunden und Orden errungen. 1950 wurde - damals noch als Feuerwehrtambourcorps - erstmals an einem Wettstreit in Buir teilgenommen. Als gerade wiedergegründetes Tambourcorps konnten unter den strengen Augen des Ausbilders Johann Bergs, der zeitweise auch Spielmann in einem Musikzug der Wehrmacht gewesen war, viele Erfolge bei Wettstreiten erzielt werden.